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Makedonien.mk > Blog > MKD FAQ > Caffetin – Der mazedonische Exportschlager
MKD FAQ

Caffetin – Der mazedonische Exportschlager

Veröffentlicht 8. November 2023
17.9K Ansichten
10 Min Lesezeit
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Ein Apotheker aus Mazedonien hat vor gut 70 Jahren ein Medikament erfunden welches seit dem und noch immer ein Dauerbrenner auf dem Balkan ist. Diese mazedonische Wunderwaffe nennt sich Caffetin, und dessen Erfinder kam aus Gevgelija.

Man kann auch getrost behaupten, dass dieses Medikament zu den bekanntesten und weitverbreitetsten mazedonischen Produkten gehört. Vielleicht sogar, als einer der am meisten verkauften Produkte aus Mazedonien! Das ist schon Spektakulär. Üblicherweise ist die genaue Gegenrichtung der mazedonische Exportschlager schlechthin: Schnaps, Wein und leckere Leckereien.

Besonders in den Gebieten des ehemaligen Jugoslawien erfreut sich das Caffetin großer Beliebtheit, und das schon fast sieben Jahrzehnten! Aber die Tabletten gab es auch in Apotheken in weiteren Ländern, darunter (zur jugoslawischen Zeit) Russland, Bulgarien und Rumänien.

Aber nur wenige wissen, wer der Erfinder des Caffetin ist – und das Caffetin ein mazedonisches Produkt ist.

Angel Simov aus Gevgelija

Es handelt sich um Angel Simov, geboren 1935 in Gevgelija (gestorben 1998). Er war Apotheker, ordentlicher Professor und einer der Gründer der Abteilung für Pharmazeutische Technologie in Mazedonien.

Simov ist Autor des Lehrbuchs „Pharmazeutische Technologie“ und über separate wissenschaftliche und berufliche Arbeiten. Er war langjähriger Direktor des Pharmaunternehmens „Alkaloid“ in Skopje und verantwortlich für die Modernisierung des Produktionsprozesses und die Erschließung neuer Sektoren für die Herstellung von Arzneimitteln.

Das klassische goldene Caffetin

Angel Simov ist außerdem einer der Gründer der Pharmazeutischen Kammer Mazedoniens und war deren Präsident von 1996 bis 1998, sowie Präsident der Mazedonischen Pharmazeutischen Gesellschaft (1974–1976).

In einem Artikel von Prof. Nenad Dikić für den serbischen Telegraf wird Interessantes aus der klinischen Pharmakologie über die großen Wissenschaftler der Pharmakologie aus dem ehemaligen Jugoslawien enthüllt.

Wenn ich mir nicht erlauben würde, noch einmal klinische Pharmakologie zu studieren, würde ich nicht einmal an die Menschen denken, die ein Medikament entwickelt haben . Ich wusste, dass es Menschen aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens gelang, viele Substanzen zu entdecken, die später in der Pharmazie verwendet wurden, aber ich glaubte nicht, dass einige von ihnen Medikamente schufen, die eine ganze Epoche prägten – sagt Dikić als EInführung.

Er erwähnt den Erfinder von Vitamin C, Albert Szent-Györgyi, der in der Vojvodina geboren wurde. Nach einem Besuch des Pharmakologischen Instituts in Szeged, das seinen Namen trägt, stellte Dikić fest, dass es sich bei ihm um einen ungarischen Wissenschaftler aus der autonomen Ex-YU Teilrepublik Vojvodina handelte.

Ähnlich verhält es sich mit den beiden Nobelpreisträgern aus Kroatien, Leopold Ružička (Nobelpreis 1939, auch als Lavoslav Stjepan Ružička bekannt) und Vladimir Prelog (Nobelpreis 1975), die ihren größten Erfolg in der Schweiz erzielten. Ihre Forschung ebnete den Weg für bedeutende Entdeckungen in der Pharmazie, aber sie entwickelten tatsächlich kein einziges Medikament.

Der erste Mensch aus diesen Gegenden, der ein Weltmedikament patentieren ließ, war Franjo Kajfež, dessen Entdeckung von Diazepam (Apaurin, 1964) ihm nicht nur Weltruhm, sondern auch großen Reichtum einbrachte.

Und als es schien, dass niemand an diese Gruppe von Wissenschaftlern herankommen konnte, entdeckte ich Angel Simov, der 1957 das Caffetin erfand. Die meisten würden seine Erfindung nicht auf die gleiche Stufe mit der Arbeit der oben genannten Wissenschaftler stellen, aber es scheint, dass seine Medizin gerade deshalb einzigartig ist. Nämlich, dass er keine Substanz gefunden hat, aber es gelang ihm, vier Substanzen zu kombinieren und eine schmerzstillende Wirkung zu erzielen, die bis dahin niemand erreicht hatte. Und soweit ich es verfolgt habe, auch nicht nach ihm – erklärt Dikić.

Seiner Meinung nach war Angel Simovs Ansatz genial. Er kombinierte nämlich ein nichtsteroidales Antirheumatikum – Propyphenazone, ein Opiatanalgetikum – Codein, Koffein und Paracetamol.

Die resultierende Kombination zeigte sofort ihren synergistischen Wert, da sie bald zum meistverkauften Medikament des Pharmaunternehmens Alkaloid und gleichzeitig zu einer Marke wurde, unter der sie bis heute bekannt ist. Und sogar das Sortiment wurde erweitert.

Alte Reklameposter der Firma Alkaloid für das Caffetin

Vielleicht ist es deshalb in einer Goldverpackung verpackt. Nicht nur für Alkaloid ist es Gold, sondern für die gesamte mazedonische Wirtschaft. Denn, Caffetin ist eine der stärksten mazedonischen Exportproduktmarken. Wenn alle seit 1957 produzierten Koffeinbänder zusammengerechnet würden, wäre das Band fast 180.000 Kilometer lang und die Gesamtmenge läge bei mehr als 5.000 Tonnen. Üblicherweise sind in einem Kaffe durchschnittlich 100 Milligramm Koffein enthalten, dann wurden allein durch den Verkauf von Caffetin fünf Millionen Kaffees distribuiert.

Das größte Lob für ein Medikament scheint jedoch die Versorgung unserer im Ausland lebenden Bürger zu sein. Die sich daheim mit Caffetin eindecken, weil sie trotz der riesigen Auswahl an Schmerzmitteln im Ausland ihre gewohnten Medikamente nicht wechseln wollen. Tatsache ist, dass dies noch lange so bleiben wird, da Codein in vielen westlichen Ländern einem Sonderregime unterliegt und dort niemals in einer Kombination von Medikamenten wie Koffein verwendet wird – so das Fazit von Prof. Dr. Nenad Dikić von der Singidunum-Universität in Belgrad, Serbien, in seiner Kolumne für Telegraf.rs.

Als kleine Randbemerkung, im Jahr 2022 hat man in Serbien das Caffetin als „Supermarke“ gewählt. Dies war unter anderem der Grund für die Kolumne von Dikić in den serbischen Medien.

Alkaloid

Wie Ihr schon aus dem Text erfahren habt, ist Alkaloid ein mazedonische Pharmaunternehmen. Die Anfänge gehen ins Jahr 1936 zurück, mit der ersten Verarbeitungsanlage in Skopje, als man am 15. August 1936 mit der Arbeit begann. Heute verdreht man vielleicht den Kopf, aber die ersten 15 Arbeiter stellten das Schmerzmittel Opium her. Mazedonien galt zu jener Zeit als einer der größten Opiumlieferanten, und außerdem, zählt das mazedonische Opium zum Besten. Vor allem zum stärksten, mit den meisten Morphineinheiten!

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Produktion, die Technologie wurde deutlich modernisiert. Zudem erweiterte man die Produktpalette. Als einer der wichtigsten Faktoren zählt aber der ansteigende Qualifikationsgrad der Angestellten, der sich mit der Zeit stetig verbesserte. Für seine positiven Resultate erhielt Alkaloid eine bundesweite Auszeichnung als beste Fabrik Jugoslawiens.

Eine neue Anlage eröffnete Alkaloid, welche Medikamente erstmals in Tablettenform erzeugte, im Jahr 1957 – eben wegen dem von Simov erfundenem Caffetin.

Alte Tabletten Schachtel.
Auf Facebook zeigte Alkaloid die älteste Caffetin Packung, aus dem Jahr 1957. Dem Jahr der Erfindung.

Die Mitarbeiterzahl stieg ab dann kontinuierlich. Vermehrt fanden auch qualifizierte Chemiker, Pharmazeuten und Technologen den Weg ins Unternehmen, welches auch stetig dann expandierte. Alkaloid baute zudem die Zusammenarbeit mit großen Pharmaunternehmen in Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Österreich und den Vereinigten Staaten aus.

Die rasante Entwicklung positionierte Alkaloid unter die fünf größten Pharmaunternehmen Jugoslawiens. Über 2800 Mitarbeiter hatte man zu dieser Zeit im Unternehmen. Ein wichtiger Arbeitgeber für Skopje und auch für ganz Mazedonien.

Nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens wurde Alkaloid 1990 von Staatsbesitz in eine Aktiengesellschaft mit gemischter Eigentümerschaft umgeformt. Fünf Jahre später wurde das Unternehmen privatisiert. Seit 1998 sind alle Eigentümer private Personen.

Unser Beipackzettel

Man liest es ja immer wieder, bei Fragen fragen sie Ihren Apotheker. Weil wir keine Apotheker sind, aber nun mal über das Produkt geschrieben haben, packen wir den Beipackzettel hier einfach mit dazu. Damit Ihr Euch ein Bild über das Medikament verschaffen könnt.

Aus was besteht Caffetin?

  • Paracetamol 250 mg
  • Propyphenazone 210 mg
  • Koffein 50 mg
  • Codeinphosphat-Sesquihydrat 10 mg

Was ist Caffetin?

Medikament in Tablettenform

Wie wirkt Caffetin?

Koffein ist ein kombiniertes Analgetikum.

Die schmerzstillende Wirkung ist für Paracetamol, Propyphenazone und Codein nachgewiesen, während Koffein ein Hilfsstoff ist, der die Wirkung anderer Inhaltsstoffe verbessert.

Anwendungsgebiete

Koffein wird zur Linderung von unterschiedlicher Schmerzen wie Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Migräne, Neuralgien, Ischias, Muskelschmerzen, postoperativen, posttraumatischen und Menstruationsschmerzen eingesetzt.

Das sind die offiziellen Infos die Alkaloid auf ihrer offiziellen Internetseite präsentiert.

Caffetin Sortiment erweitert

Früher, also seit 1957, bis vor etwa 15 Jahren gab es nur die „klassischen“ Caffetin. Mittlerweile wurde das Sortiment, oder sagen wir, die Marke erweitert.

Caffetin Sortiment.
Das derzeitige verfügbare Caffetin Sortiment in Mazedonien

Neben dem klassischen „goldenem Caffetin“ werden verschiedene Caffetin Cold Produkte angeboten. Wie es der Name schon suggeriert, Tabletten (bzw. auch als Granulat) gegen Erkältungen und Grippe.

Nach aktuellem Stand sind das: Caffetin Cold und Caffetin Cold Plus (letzteres als Tablette oder Granulat-Pulver erhältlich).

Zusätzlich führte Alkaloid noch Caffetin Menstrual als Tabletten ein.

Eine Zeitlang gab es das goldene Caffetin auch als Forte, SC oder Light. Diese sind aber mittlerweile aus dem Sortiment genommen, jedoch teils noch im Ausland erhältlich.

SCHLAGWÖRTER:GeschichteGevgelijaMade in Macedonia
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