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Alexander der Große und seine Makedonen waren Slawen

Ein Aufsatz eines slowakischen Gelehrten aus den Anfängen des 20. Jahrhundert

Slawen

Heute widmen wir uns einem Aufsatz von František Víťazoslav Sasinek aus dem Werk „Staroslovan; Vierteljahrsschrift zur Pflege der altslavischen Sprache, Geschichte und Kultur“ aus dem Jahr 1913. In diesem kurzen Aufsatz erklärt der Autor, warum Alexander der Große und seine Makedonen nichts anderes als Slawen gewesen sein konnten. Wer František Víťazoslav Sasinek war, erfahrt ihr nach dem Aufsatz, im letzten Abschnitt. Anmerkung: Die Bezeichnungen die Sasinek verwendete, haben wir an die heutige Schreibweise angepasst. So schreibt er im Original Aufsatz „Slaven“, hier im Text verwenden wir die übliche heutige Bezeichnung „Slawen“. Ebenso verwendet er die Begriffe „Macedonien oder Macedonier“, wir haben das C durch ein Z ersetzt.

Alexander der Große

Der berühmteste Eroberer und Herrscher der alten Welt ist ohne Zweifel Alexander der Große.

Meine Aufgabe ist nun nicht seine Kriegszüge zu schildern, sondern nur seine Nationalität zu überprüfen. Da er nämlich in der Geschichtsschreibung Alexander Macedo oder König der Macedonen genannt wird, und die Mazedonen doch bis zum heutigen Tage Slawen sind, kann er nur ein Slawe oder ein König der Slawen gewesen sein. Man wird allenthalben diese bisher ungehörte Behauptung belächeln, aber alle Umstände geben bei näherer, vorurteilsloser Überprüfung dieser Auffassung recht.

Die Nationalität Alexanders und seiner Mazedonier darf freilich nicht unmittelbar unter dem Namen „Sclaveni“ oder „Sclavi“ gesucht werden, da diese ethnographische Bezeichnung zum ersten Male erst im 6. Jahrhundert nach Christus auftaucht. Die objektiven Geschichtsforscher können es aber nicht leugnen, dass die Slawen vor dem genannten Jahre schon existierten, wenn auch unter anderen Namen, daher wir die slawischen Mazedonier eben einen zweifellos slawischen Namen erbringen müssen, sofern dieser Name selbst nicht slawisch sein sollte.

Titus Livius erzählt gleich anfangs seiner Geschichte die uralte Sage, Äneas sei nach dem Falle Trojas mit seinen Trojanern, die den Namen „Veneti“ führten, nach Mazedonien ausgewandert, und habe sich dort neue Wohnsitze gegründet. In Herodots noch älterer Geschichte lesen wir, dass die Bewohner Trojas nach dem Falle der Stadt durch Äneas bis zum Adriatischen Meer geführt und dort unter dem Namen „Eneti“ (Veneti) angesiedelt wurden.

Da die „Veneti“ in der historischen Zeit ausschließlich als Slawen bewertet wurden, so ist der Ursprung jener Sagen augenscheinlich ein solcher, wie er sich bei allen Völkern wiederholt: man sah die Veneter, die in Mazedonien und Italien saßen, nicht als Stammvolk an, sondern als Einwanderer, denn es liegt einmal im Wesen des Menschen, alles Unerklärliche in weite Ferne zu verlegen. Dass aber Mazedonien mit seinen Venetern ein urslawisches Land war, dies erhärtet auch folgende geschichtliche Tatsache. Pomponius Mela (40 n.Chr.), der Herodot (444 v.Chr.) fast wörtlich folgt, schreibt, dass die Thraker zwischen dem Balkan und der Adria, die sich aber eigentlich vom Schwarzen Meere bis zu den Illyrern erstreckten, eine einzige, jedoch in verschiedenen benannte Stämme zerfallende Nation sind, und hebt namentlich die Mazedonier hervor, die von ihrem König Philip († 350) und Alexander († 324 v.Chr.) regiert wurden. Philipp war der Überwinder der Griechen, Alexander jener der Asiaten; deren Feldzüge hat Curtius Rufus ausführlich beschrieben.

Nachdem Philipp die Athener, Illyrer und Lakedämonier besiegte, unterwarf er sich auch die Thraker, seine Nachbarn, bis zum Schwarzen Meere, überschritt dann den Balkan und die Donau und unternahm einen Raubzug nach Skythien (Westrussland und Slowakei), von wo er an 20.000 Knaben und Mädchen, eine Menge Hornvieh, dann Gold und Silber wegführte. Mit dieser Beute an der Donau angelangt, wurde er von den Triballer (Serben) angehalten, die ihm den Durchzug nur bei Beuteteilung zugestehen wollten. Im darauf entstandenen Kampfe wurde Philipp schwer verwundet. Die Soldaten, ihren König tot vermutend, überließen die Beute den Angreifern und kehrten leer nach Mazedonien zurück.

Bild: Die erste Seite des Aufsatzes, unter dem Artikel findet Ihr den Link zum ganzen Werk

Nachdem Philipp gesundete, zog er abermals mit seinem Sohne gegen die Athener und die mit diesen verbündeten Städte; der siegreiche Feldzug machte ihn nun zum Herren von Griechenland, woraus hervorgeht, dass er selbst kein Grieche oder früher Beherrscher von Griechen war; überdies bestellte Aristoteles, einen Mazedonier aus Stageira, der jedoch griechische Bildung hatte, als Lehrer für seinen Sohn.

Nach des Vaters Tode bereitete sich Alexander zum Kriege gegen Darius, den mächtigen Perser, vor. Um im Rücken gesichert zu sein, unterwarf er zuvor noch die Triballer und Thraker, sowie die Geten zwischen der Donau und Karpaten, und zog dann gegen Darius. Sein Heer bestand hauptsächlich aus den östlichen, d.i. mazedonischen Thraker, da die wortbrüchigen Griechen zu unverlässlich waren. Die Mazedonier aber, denen er – bis auf die Militärpflicht – volle Freiheit geschenkt hat, waren seine treuesten Krieger.

Alexander der Große war sonach offenkundig kein Grieche, um so mehr als er die wortbrüchigen Griechen doch hasste und auch bekämpfte; ein Römer war er gleichfalls nicht, da die Balkanhalbinsel damals mit den Römern noch in keinerlei Verbindung stand; er war also ein Thraker und als solcher daher zweifellos ein Slawe. Der Name „Alexander“ ist freilich griechisch im heutigen Sinne, denn hochgestellte Personen haben seit jeher ein gewisses exzeptionelles Sprachverhältnis zur Landessprache an den Tag gelegt und sei hier nur an die Bevorzugung des Französischen in den letzten Jahrhunderten kurz hingewiesen; überdies haben wir über Alexander überhaupt nur griechische Quellendaten, die hierbei doch den Namen der Sprache anpassten; der landesübliche Name kann dabei auch Aleš, wie die Slawen Alexander nennen, Oleg, Saša und ähnlich gelautet haben. Hingegen weiß man, dass Alexander seiner Nation treu geblieben ist und die Renegaten geradezu verachtete. Zum Beweise diene nur der Prozess gegen Philotas, dem er vorwarf, dass er die mazedonische Sitte und Sprache vernachlässige.

Ebenfalls Lesenswert: Das Antike Griechenland aus Sicht der Griechen – was ist mit Makedonien?

Es ist schade, dass die alten Schriftsteller keine ausgesprochene Tendenz hatten slawische Namen und Begriffe im Originale anzuführen, wir wissen daher heute nicht, was darunter eigenes und was fremdes Sprachgut ist. Ein Führer hieß z.B. „Belon“; durch seine Tapferkeit erreichte er, trotz seiner niederen Abstammung, eine hohe militärische Stellung. Dieser charaktervolle Mazedonier war es auch, der Philotas anklagte, er möge sich als Mazedonier schämen, mit seinen eigenen Landsleuten durch einen Dolmetscher zu sprechen. Alexander mag dies als Macedo-Slawe, der sich sonach mit seinen Leuten immer persönlich verständigte, besonders unangenehm aufgefallen sein.

Nun muss ich auch die Frage, ob die Thraker Slawen waren, einer näheren Klärung zugeführt werden.

Wie bereits angedeutet, taucht der Name „Sclavini“ (bei Jordanes) und „Sclaveni“ (bei Procopius) im Jahre 552 nach Christus das erste mal in der Geschichtsschreibung auf; bis dahin gebraucht kein Schriftsteller diesen Kollektivnamen, weil da eine Unmenge von Detailnamen diese großzügige Auffassung trübte. Und doch schreibt schon Herodot (444 v.Chr.): „Die Thraker sind nach den Indern (in Asien) die größte unter den Nationen, Würden sie von Einem beherrscht oder würden sie einig sein, so wären sie unüberwindlich und die mächtigsten unter den Nationen; dies ist jedoch nicht der Fall und eben deshalb sind sie schwach. Jeder Teil von ihnen hat einen eigenen Namen, je nach dem Gebiete, das sie bewohnen. In ihren Gebräuchen sind sie jedoch ähnlich“. – Dem ist beizufügen, dass Herodot zu diesen auch die Geten, Skythen und Sarmaten zählt. Der Name „Thrak“ war also ein allgemeiner für alle diese Völkerschaften; erst als die Griechen einen Teil derselben unterwarfen, nannte man vor allem jenes Gebiet „Thracia“, wo Byzanz mit seinen Verwaltungsgebiete lag. – Etymologisch ist „trak“, richtiger „drak“, die altslawische Bezeichnung für Krieger, Panzerträger (lat. „thorax“); „Thraker“ nannte man also alle jene Völker, die ihre waffenfähige Männer als „traci, draci“ bezeichneten, und bestehen dieselben Analogien auch fast bei allen sonstigen Volksnamen.

Dass unter „Thrax“ ein Nichtgrieche, daher Slawe zu verstehen ist, ersieht man auch aus den Beinamen des griechischen Kaisers Maximinus Thrax (236-238), der, obschon von niederen Stande, von den Soldaten zum Kaiser ausgerufen wurde.

Hält nun Herodot alle diese Völker als zusammengehörig, wofür doch vor allem die gleiche Sprache eine Vorbedingung ist, so bestätigt dies weiter noch Ovid, der doch als Verbannter in Klein-Skythien (Dobrudža), dem Knotenpunkte der thrakischen, getischen, skythischen und sarmatischen Völker lebte, der da schreibt, er müsse durch Mimik jenes bezeichnen, was die Bewohner durch Worte ausdrücken. Er sagt: „Um mich schallt der thrakische und skythische Munde; es scheint, dass ich das Latein vergessen habe; erlernt habe ich getisch und sarmatisch zu sprechen“. – Sind nun die dortigen Verkehrssprachen Ovid fremd gewesen, so waren sie zum mindesten nicht romanisch, und können überhaupt nur slawisch gewesen sein, was aus allen bekannten Daten logisch hervorgeht.

Externer Link aus unserem Geschichte-Blog: Slawische Völker identifizierten sich mit Alexander den Großen

Von einem mechanischen Völkeraustausch weiß die Geschichte im großen absolut nichts; die Provinz Thrakien existiert bis heute als eine solche mit überwiegend slawischer Bevölkerung; die Griechen selbst sahen die Thraker, wie Theophylaktus (629) berichtet, als ein autochthones Volk an; wir hörten (Seite 182), dass sich im 4. Oder 5. Jahrhundert ein fremdes Volk in dieser Gegend niederließ, doch sprach dieses wieder die gleiche, also slawische Sprache; aber auch die Osmanen änderten sprachlich nichts; ja, im Gegenteil, sie akkommodierten sich überall an die Sprache der unterjochten Völker. Wann sollen demnach alle diese viele Millionen zählenden Völker in Europa eingerückt sein? Wie können diese nur dem Slawen verständliche topische Namen, die doch schon von den ältesten römischen wie griechischen Schriftstellern vorgefunden wurden, den Bergen, Gewässern und Ansiedlungen daselbst gegeben worden sein, wenn Vertreter der slawischen Sprache gar nicht da waren? Weshalb sollen gerade die slawischen Völker nie eigene Herrscher besessen haben? – Mit diesen höchst wurmsichtigen Prämissen sowie dem naiven Unwissendium, woher die Slawen kamen, ob sie eine Kultur hatten, on ihre Organisation eine bruchbare war, wird sich weiter absolut nicht arbeiten lassen, denn haben die Slawen auch als Unterjochte ihre Nationale Integrität erhalten, so werden sie dieselbe als Freie umso mehr hochgehalten haben, und bietet Alexander der Große hierbei nur einen der glänzendsten Vertreter ihrer hervorragenden staatlichen wie militärischen Potenzen.

Über den Autor František Víťazoslav Sasinek

František Víťazoslav Sasinek (geboren am 11. Dezember 1830 in Skalica – gestorben am 17. November 1914 in Graz ) war der produktivste slowakische Historiker der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er war Publizist und katholischer Priester. Er veröffentlichte auch Werke unter folgenden Pseudonymen, oder war unter jenen bekannt: Franko Chvojnický, Pater Victor, Sirotin V., Skalnický, Slovákovič.

Er absolvierte die Gymnasien in Skalica und Szolnok, trat 1846 in den Kapuzinerorden ein, studierte später Philosophie in Tata (Ungarn) und Bratislava (Slowakei), Theologie in Scheibbs (Niederösterreich) und Bratislava. 1853 zum Priester in Rab geweiht, 1866 bestand er die rigorose Theologie an der Universität Prag. Er arbeitete abwechselnd als Professor und Prediger in Tata, Bratislava, Esztergom und Buda. Seit 1856 Hüter der Bücher und Sammlungen der Matica slovenská, vorübergehend aufbewahrt in Banská Bystrica, Diözesanordinar seit 1868.

Er arbeitete an der ältesten Geschichte der Slowakei und der Slowaken, dem Thema über die Heiligen Kyrill und Method und Großmähren, Ungarn, aber auch Böhmen. Als Lehrer verfasste er auch mehrere Lehrbücher, die in kirchlichen Schulen verwendet wurden. Er schrieb Werke religiöser Natur, Lieder, Comics, Verse, gelegentliche Gedichte, Kurzgeschichten und Aufsätze, religiöse, historische und nationale Erweckungsstudien und Artikel. Er veröffentlichte auch eine Sammlung von Witzen, Anekdoten und Rätseln.

Literatur: Staroslovan; Vierteljahrsschrift zur Pflege der altslavischen Sprache, Geschichte und Kultur, 1913, von Martin Zunkovic

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