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Wie aus dem Makedonier aus Apostel Paulus Träumen, ein Mann aus Makedonien wurde

Dort hatte Paulus in der Nacht eine Vision. Er sah einen Makedonier vor sich stehen, der ihn bat: Komm nach Makedonien herüber und hilf uns!

So lautet eine Passage der Bibel aus der Apostelgeschichte des Lukas. Diese Worte vom Apostel Paulus sollte man lesen, wenn man in der Apostelgeschichte die Passage 16:9 öffnet. Ja, sollte! Denn, selbst die Bibel ist nicht vor Fälschungen, „Übersetzungsfehler“ oder Neuinterpretation gefeit!

Und solche Verfälschungen finden wir exakt in dieser erwähnten Passage. Oft genug liest man anstatt der eigentlichen korrekten Phrase Er sah einen Makedonier, eine verfälschte: Er sah einen Mann aus Makedonien.

Die Bibel ist für viele das faszinierendste Buch überhaupt, das in 2.000 Sprachen und Dialekte übersetzt wurde. Aber auf wundersame Weise gibt es keine „einzige Bibel“, aber es gibt Hunderte und Hunderte davon, die sich, wenn nichts anderes, zumindest in Nuancen unterscheiden. Aber diese Nuancen können enorme Auswirkungen auf die Interpretierung haben, wie in unserem Fall den wir uns hier widmen. Vom Makedonier, zum einfachen Mann.

Seit Jahrhunderten hält der Vatikan an der ersten lateinischen Übersetzung fest, der Vulgata, die sich mit einigen Ergänzungen und Änderungen noch „unter dem Kissen des Papstes befindet“. Jetzt nehmen wir uns aber mal Aussagen verschiedener Päpste zu Herzen: öffnen Sie immer die Bibel, um sie zu konsultieren.

Apostel Paulus schrieb über „Makedonien, Makedonier, Makedonisch“

Die Bibel ist eine Bestätigung der Bedeutung Makedoniens, aber auch der Existenz der Makedonier als Volk, und das ist entscheidend, wenn es um Monotheismus und frühes Christentum geht. Das meint der ursprüngliche Verfasser des Artikels (Religija.mk) den wir hier auf Deutsch übersetzen.

Allerdings wurden hier viele Lanzen gebrochen, so dass Makedonien in Hunderten von Bibelübersetzungen nicht verschwand, sondern gräzisiert wurde und die Makedonier nach Möglichkeit ausradiert wurden.

Das sichtbarste Beispiel ist die Mission des Paulus (sein jüdischer Name ist Scha’ul/Saul), der in seinen 14 Briefen genau und sehr genau nicht nur von Makedonien, sondern auch von den Makedoniern sprach. Aber in Übersetzungen der Bibel, wie die King James Bibel, wurde aus dem Makedonier ein „jemand aus Makedonien“. Es hat nicht die gleiche Aussagekraft, wir werden uns darüber einig sein.

Im Neuen Testament der King James Bibel wird Makedonien 26 Mal erwähnt. Professor Ratomir Grozdanoski sagt dagegen, dass Makedonien in der Bibel 30 Mal erwähnt wird.

In der Heiligen Schrift des Neuen Testaments werden Makedonien und die Makedonier in 24 Versen 27 Mal erwähnt. Makedonien 21 Mal, Makedonier 5 Mal, Makedonisch einmal. Durch 7 Bücher in der Bibel – im Neuen Testament, von insgesamt 27 Büchern, erwähnt der Apostel Paulus Makedonien (oder Makedonier, makedonisch) 16 Mal in 6 Büchern und Apostel Lukas 11 Mal in einem Buch.

Nach Israel und den Juden sind Makedonien und die Makedonier in der Bibel am häufigsten erwähnt, sagt Grozdanoski.

Um zu verstehen, von welcher Seite die antimakedonischen Winde in der Bibel wehen, d.h. damit jemand wagt die heilige Schrift zu ändern, müssen wir auf einen sehr wichtigen Moment in der Geschichte hinweisen, der Licht auf die Mission des Apostels Paulus werfen wird.

Es ist keine Legende, aber historische Tatsache

Alexander III. von Makedonien, besser bekannt als Alexander der Große und Sohn Philipps II., war wie jeder andere Makedonier zu jener Zeit im 4. Jahrhundert vor Christus ein Heide und konnte keine direkte Verbindung zu dem Apostel Paulus gehabt haben. Paulus lebte und erfüllte seine Mission im 1. Jahrhundert nach Christus.

Nach der Eroberung Persiens erließ Alexander 331 vor Christus (diese Datierung bzw Jahresangabe gilt nach neuesten Erkenntnissen als die genaueste) sein Edikt, welches den Juden ermöglichte, ihre monotheistische Religion überall dort frei zu verbreiten, wo sie im makedonischen Reich lebten.

Genau dies initiierte oder ermöglichte Alexander die Verbreitung des Monotheismus in nichtjüdischen Kulturen. Gerade wegen der Freiheit, die er ihnen gab, haben die Juden in den heutigen Büchern geschrieben: „Wenn wir überhaupt über Heilige sprechen können, dann ist Alexander der Große für uns Juden der Heilige über den Heiligen.“

Und ein weiterer wichtiger historischer Punkt, der später auch Gegenstand falscher Interpretationen sein wird, ganz zu schweigen von groben Fälschungen: Nach der Eroberung der Stadt Tyros musste die makedonische Armee Israel durchqueren. Bevor Alexander und seine Armee Judäa und Jerusalem erreichten, wurden sie auf dem Megiddo-Feld von einer Prozession hochrangiger jüdischer Priester begrüßt, die die Bundeslade mit sich führten.

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Die Juden nahmen die Bundeslade nur in äußerst außergewöhnlichen Fällen aus dem Schrein, wenn es um ihr Überleben ging, aber diesmal war es für die höchste Ehre für den makedonischen König. Aber bevor sie Zeit hatten dem König zu huldigen, stieg Alexander der Große ab, kniete nieder und verbeugte sich vor den Priestern und der Bundeslade.

Alexander der Grosse und Kirche

Seine vier hochrangigen makedonischen Begleiter und Feldherren reagierten auf diesen Anblick mit Hohn, wie uns alte Überlieferungen glauben machen wollen: „Verbeugt der König, der die große persische Armee erobert und zerstört hat und Tyros eroberte und sich so selbst zum Gott gemacht hat, sich vor diesen wertlosen Priestern?“

Alexander antwortete: „Ich verneige mich nicht vor diesen ‚wertlosen Priestern‘, aber vor ihrem einzigen Gott!“

Wenn dies der tatsächliche Fall war, wird es für uns viel einfacher sein, der Mission des Apostels Paulus zu folgen.

Die Apostelgeschichte des Apostels Lukas in 16:9 besagt:

Er sah einen Makedonier vor sich stehen, der ihn bat: Komm nach Makedonien herüber und hilf uns!

Die King James Bible oder die New American Bible besagt dagegen:

Paulus hatte nachts eine Vision; Ein Mann aus Makedonien stand vor ihm, der ihn bat. Komm herüber und hilf uns!

Der Unterschied ist überhaupt nicht naiv. Im ersten Fall ist es ein Mann, der von Paulus als Makedonier definiert wurde – und nicht als Jude, Grieche, Römer oder etwas anderes.

Im zweiten Fall handelt es sich um einen „Mann aus Makedonien“, der Römer oder auch ein Grieche oder jeglicher anderer Herkunft sein konnte.

Interessanterweise kommt das Wort Makedonisch in allen Bibeln der östlichen Völker vor, vor allem in den orthodoxen, aber dieses Wort, diese Übersetzung, findet man auch in einer kroatischen Übersetzung.

Laut diesem Beispielen sehen wir, dass Paulus Nachts von einem Makedonier aufgerufen wurde. Und im krassen Widerspruch, in den Bibeln der westlichen Welt, insbesondere in den englischen, wird der Makedonier zu einem „Mann aus Makedonien“.

Nur in der Apostelgeschichte des Evangelisten Lukas (27:2) ist der Mazedonier sowohl in der Ost- als auch in der Westbibel ein Makedonier:

Aristarchus, ein Makedonier aus Saloniki, war bei uns.

In seinem Artikel „Die Bibel Zeuge für Mazedonien und die Mazedonier“ im Buch „Name und Licht des Mazedonischen Manifests“ wirft Grozdanoski eine entscheidende Frage auf: Hatte der Apostel Paulus eine Vision oder einen Traum, in dem der Makedonier ihn bittet nach Makedonien zu kommen?

Erstens irren sich viele, freiwillig oder unfreiwillig, wissentlich oder unwissentlich, wenn sie den Bibeltext ändern und versehentlich etwas hinzufügen, dass der Apostel Paulus eine Vision in einem Traum hatte. Kein einziger Bibeltext vom ältesten bis zur neuesten enthält buchstäblich das Wort „Traum“ in dieser Passage. Ich weiß nicht, woher das kommt!, schreibt Grozdanoski.

Jovan Manev, der seit mehr als 40 Jahren die Bibel studiert und Autor von drei Büchern auf diesem Gebiet ist, glaubt auch, dass das Wort „Vision“ eingefügt wird, um sozusagen „die Spur“ der Wahrheit zu verbergen.

Laut Manev wusste Paulus genau, wohin er reisen wollte, weil er als Jude mit Alexanders Edikt und den Verbindungen zwischen Juden und Makedoniern vertraut war.

Der Beweis dafür ist, dass die ganze Zeit Makedonier bei ihm waren, die ihn bewachten. Deshalb wählt Paulus Makedonien als Schlüssel zu seiner Mission, er war frei, respektiert, hatte keine Probleme. Ansonsten können Sie sich ja alle mal fragen – warum ist Paulus nicht zuerst nach Athen gegangen?, erklärt und hinterfragt Manev.

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In seinen Briefen macht Paulus sehr deutlich, dass die Makedonier ein Vorbild für alle frühen Kirchengemeinschaften waren, die sich fortan langsam zu entwickeln begannen. Und es sind genau die Behauptungen vom Apostel Paulus, argumentiert Manev, dass einer der Gründe, warum Kaiser Konstantin festlegte, welche Aufzeichnungen in das Neue Testament aufgenommen werden würden.

Aus Yawan wird Griechenland

Das Thema mit Fälschungen in der Bibel in Bezug auf Makedonien ist keine Neue Thematik. Der mazedonische Historiker Aleksandar Donski erforscht solche Fälschungen schon seit einigen Jahren. So ist seiner Meinung nach die offensichtlichste Fälschung, die neue Interpretierung der Bezeichnung Yawan. Dies führte dazu, dass anstatt Yawan überall nun Griechenland zu lesen sei.

Wie er erklärt, sei es ist allgemein anerkannt, dass sich ein Teil des Inhalts des alttestamentlichen Buches des Propheten Daniel, auf die Eroberung Asiens durch Alexander den Großen bezieht. Hier weist Donski auf eine große sprichwörtliche Fälschung der Bibel hin, von der leider viele Bibelübersetzer betroffen sind, darunter sogar auch einige mazedonische Ausgaben wie er sagt.

Wie Donski erklärt, wird in Vers (8.21) des Buches Daniel nämlich dieser König erwähnt, den die Bibelgelehrten als Alexander den Großen von Makedonien betrachten. In der mazedonischen Übersetzung der Bibel (online verfügbar) wird dieser König gar als „der König von Griechenland“ bezeichnet.

Donski hat ebenso andere Übersetzungen der Bibel erforscht und in den meisten von ihnen ist diese Version niedergeschrieben (wahrscheinlich gemäß dem Domino-Effekt, eine Übersetzung wurde auf der Grundlage einer zuvor falsch gemachten Übersetzung erstellt).

Tatsächlich heißt es aber im alten Text überhaupt nicht „König von Griechenland“, sagt Donski, sondern (auf Hebräisch) „König von Jawan“ (oder Yawan). Wer hat sich also erlaubt, den Namen Jawan zu fälschen und durch „Griechenland“ zu ersetzen, fragt Donski und fügt hinzu: Die Briefe wurden während einer Zeit verfasst, als es einen solchen Staat nicht gab.

Jawan ist kein geografischer Name (zum Beispiel ein früherer Name für Griechenland oder ähnliches), sondern ein Personenname! Insbesondere ist es der Name eines Sohnes von Japhet, der ein Sohn Noahs war. Jawan war also der Enkel von Noahs Sohn. Dies ist im Buch Genesis (Kapitel 10) angegeben.

In der vom Hl. Hippolyt geschaffenen Tabelle der Nationen (erste Hälfte des 3. Jahrhunderts) steht, dass Jawan (durch seinen Sohn Kittim) der Vorfahr der Makedonier ist!

Dass Jawan der Vorfahr der Makedonier war (und nicht der Griechen oder Griechenlands), steht auch in der großen zwölfbändigen jüdischen Enzyklopädie (veröffentlicht zwischen 1901 und 1906), in welcher Jawan eindeutig mit (Zitat) „Makedonien“ gleichgesetzt wird, erklärt Professor Donski.

Mehr über die „Jawan – Griechenland“ Fälschungen ein ausführlicher Text von Donski hier auf Deutsch.

QUELLE: Religija.mk (Mazedonisch), übersetzt von Makedonien.mk