in

Orthodoxe Weihnachten in Mazedonien

Am 6. Januar ist für Mazedoniens Christen Heiligabend

Die meisten Christen feiern Heiligabend und Weihnachten am 24. und 25. Dezember, nicht aber in Mazedonien – dort ticken die Feiertage noch nach dem alten Kalender. Heiligabend wird am 6. Januar gefeiert und die traditionellen Weihnachtsfeiertage erstrecken sich vom 7. bis zum 9. Januar.

Der Grund dafür ist, wie wir es erwähnten, unterschiedliche Kalender. Die orthodoxe Christen in Mazedonien (als auch Serbien und Russland) halten am alten julianischen Kalender fest, während die übrigen sich den neuen gregorianischen Kalender zuwendeten. So zum Beispiel im benachbarten Griechenland oder Bulgarien, wo Weihnachten ab dem 24. Dezember wie bei den Katholiken und Evangelen gefeiert wird. (Mehr über die Kalender im letzten Abschnitt.)

Deshalb feiert man in Mazedonien Christis Geburt entsprechend dreizehn Tage später, am 6. und 7. Januar. Auch wird in Mazedonien noch das so genannte „alte Neujahr“ gefeiert, welches eine Woche nach dem orthodoxen Heilig Abend ansteht.

Aber nicht nur warum die Mazedonier später Weihnachten feiern wollen wir hier ansprechen, sondern auch, wie das Weihnachtsfest in Mazedonien aussieht.

Kolede – Das Nachbarschaftsfest zum Einstimmen

Am heiligen Abend den 6. Januar, auf mazedonisch Badnik genannt, beginnt das eigentliche Weihnachtsfest mit einem gemeinsamen Familien-Abendmahl.

Allerdings, beginnen die Feierlichkeiten schon einen Tag früher. Am Abend des 5. Januar wird traditionell ein Nachbarschaftsfest abgehalten (während man Weihnachten im Kreis der Familie feiert). Das Fest wird Kolede genannt.

Zum Kolede wird spezielles Zuckerweck gebacken und zusammen mit kleinen Geschenken an die sich gegenseitig besuchenden Nachbarn verschenkt. Im Freien kommen die Anwohner der Nachbarschaft zusammen, und entfachen an einem zentralen Platz gestapelte Holzstämme zu einem Feuer, dem Badnikov Ogan. Es wird Musik gemacht (in neuerer Zeit lässt man sich aus der Konserve beschallen) und traditionell wird heißer Rakija getrunken.

Früher, in alte Zeiten, als die Nachbarschaften nicht so eng beieinander lagen und die Leute auf dem Feld arbeiteten und ihre Nachbarn oft monatelang nicht zu Gesicht bekamen, waren solche Nachbarschaftsfeiern enorm wichtig um die sozialen Kontakte aufrecht zu erhalten. Und natürlich, um Neuigkeiten auszutauschen. Heute leider, hat es aber meist nur noch den Anschein als handelt es sich um eine Party.

Während die Hausherren meist noch von der Feier ausschlafen, kommen am frühen Morgen des 6. Januar dann die Kinder auf ihre Kosten. Sie ziehen in Gruppen durch die Nachbarschaft noch in der Dunkelheit los, klopfen an den Haustüren, singen und fordern Süßigkeiten und andere kleine Geschenke. Wie sollte es anders sein, die Dame des Hauses (welche schon seit früh morgens das traditionelle Abendmahl vorbereitet, wenn nicht schon tags davor und die ganze Nacht), empfängt die Kinder und überreicht ihnen kleine Geschenke. Während heute Süßigkeiten dominieren, waren es früher Nüsse, Orangen, Mandarinen, Maroni oder selbstgebackenes von der Hausdame.

Heilig Abend – Badnik

Am heiligen Abend den 6.Januar, Badnik, genannt, beginnt das eigentliche Weihnachtsfest in Mazedonien mit einem gemeinsamen Familienmahl, welches ganz der Traditionen verschrieben ist – aber auch je nach Region verschieden ist. Das Esszimmer ist aber immer mit Eichenlaub geschmückt und als traditionelle (Haupt-)Speise wird ein Zelnik oder Bohnen serviert.

Fleisch gibt es an Heiligabend nicht, denn das Abendmahl an Badnik markiert zugleich auch den letzten Abend der Fastenzeit.

Ebenso wichtig ist für das Abendmahl und der Tradition des Hauses ein speziell für Badnik gebackenes rundes Brot, in welchem eine Münze eingebacken wird.

Jedes Familienmitglied erhält ein Stück von dem Brot. Wer die Münze in seinem Stück entdeckt bekommt kleine Geschenke und Glückwünsche der Verwandten. Die Tradition: Der Finder oder sagen wir Glückliche, wird das ganze Jahr in Sachen Liebe, Gesundheit, Erfolg und Geld Glück haben.

Überhaupt, das orthodoxe Weihnachten unterscheidet sich in einer Sache speziell von anderen Christen: Es gibt keine großen Geschenke. Weihnachten ist ein Fest der Einkehr – Kinder, Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten kommen zusammen und sind für einander da.

Und so bleibt die Familie an Heiligabend auch zusammen und unter sich. Und auch die Dame des Hauses wird mit etwas Ruhe beschenkt: die Tafel vom Abendmahl wird traditionell erst am nächsten (frühen) Morgen abgeräumt.

Čestit Božik, Hristos se rodi

Die Weihnachtstage, welche laut dem julianischen Kalender auf den 7.,8. und 9. Januar fallen, werden in Mazedonien traditionell mit Festmahl in der Familie und Besuchen der Weihnachtsgottesdienste begangen.

Ab da gratuliert man sich traditionell mit „Čestit Božik, Hristos se rodi“. Frohe Weihnachten, Christus wurde geboren!

Warum Mazedonien nicht mit Katholiken zusammen Weihnachten feiert – MPC

Im Zuge zur Recherche für den Artikel, sind wir auf einen Beitrag aus der mazedonischen Presse von 2017 gestoßen. Denn es gab einige politische Stimmen in Mazedonien, die dafür plädierten, Weihnachten ebenfalls im Dezember zu feiern. Unter anderem wurden wirtschaftliche Gründe genannt, aber auch, dass eben orthodoxe Nachbarstaaten wie Griechenland und Bulgarien ihr Fest ebenfalls in den Dezember verlegten.

In dem Beitrag wurde ein Pfarrer bzw. Geistlicher (Pope) der mazedonisch-orthodoxen Kirche zitiert. Denn, die mazedonische Kirche (Makedonska Pravoslavna Crkva MPC) erwägt immer noch nicht, den Kalender zu ändern. Sie sagen, dass der Kalender so bleiben wird, wie er ist, bis eine gemeinsame Entscheidung vorliegt. D.h. wenn alle orthodoxen Kirchen den Kalender ändern, dann würde ihn auch die mazedonische Kirche anpassen.

Tatsächlich ist die Weihnachtsfeier in unserem Land am 25. Dezember – aber nach dem alten Kalender und nach dem neuen fällt dies auf dem 7. Januar. Wenn wir 13 Tage abziehen, feiern wir nach dem alten Kalender am 25. Dezember. Diejenigen, die nach dem Gregorianischen Kalender feiern, sollten demnach am 12. Dezember feiern, antwortet Pater Boban von der Diözese Skopje auf die Frage mit einem etwas konfusen Rechenspiel.

Der Pope weist darauf hin und zeigt sich doch Offen, dass die MPC als Kirche die Position vertritt, dass die vielleicht beste Lösung darin besteht, einen noch genaueren Kalender als die jetzigen bestehenden zu erstellen, denn heute bestünden für so etwas die technologischen Mittel als auch das Wissen.

Aber solange dies alles so bleibt, akzeptieren wir nur, was die Tradition der Kirche sagt. Wie sollten wir den Menschen dann erklären, dass der Feiertag Ilinden nicht mehr am 2. August ist, was auch mit einigen unserer Nationalfeiertage zusammenhängt, sagt Pater Boban.

Er beschwert sich sogar darüber, über die Art wie einige orthodoxe Kirchen den neuen Kalender übernommen haben. Denn dort zum Beispiel wird Weihnachten nach dem neuen, Ostern aber nach dem alten Kalender gefeiert. So sagt er:

Sie feiern Ostern wie diejenigen mit dem alten Kalender, weil es in der Kirche eine bestimmte Regel gibt: Ostern darf niemals mit dem jüdischen Passahfest zusammen fallen. Um diesen Moment mit dem neuen Kalender zu vermeiden, wird Ostern nach dem alten Kalender immer mit uns zusammen gefeiert. Wir kommen zu dem Punkt, alle Feiertage nach dem neuen Kalender zu feiern aber Ostern nach dem alten zu feiern, was keine Logik hat.

Er glaubt, dass die Forderungen, Weihnachten auf Dezember zu verschieben, nur auf das neue Jahr zurückzuführen ist, einen Feiertag, der laut ihm nicht christlich ist.

Wir haben unser orthodoxes neues Jahr (Anm.: 13/14 Januar) und ich denke, dem sollten wir uns mehr widmen, wenn wir um alles Gute im neuen Jahr bitten, fügt Pater Boban hinzu.

Kurzinfo über die beiden Kalender

entnommen bzw. zitiert aus Wikipedia Deutsch.

Der Alte – Julianischer Kalender

Der julianische Kalender ist einer der ältesten Solarkalender und Vorläufer des heute gebräuchlichen gregorianischen Kalenders. Er wurde im Jahr 45 vor Christus von Julius Caesar im Römischen Reich eingeführt. Daher auch der Name „julianischer“ Kalender. Er greift die bereits 238 v. Chr. von Ptolemaios III. im Kanopus-Dekret für den ägyptischen Verwaltungskalender eingeführte Schaltjahrregelung auf, die schon damals einen Schalttag für jedes vierte Kalenderjahr vorsah. Der julianische Kalender wird heute in der Wissenschaft rückwirkend auch für die Jahre vor dem Wirken Caesars verwendet.

Das Jahr ist wie schon im ägyptischen Verwaltungskalender in zwölf Monate gegliedert. Die meisten Monatsnamen wurden vom römischen Kalender übernommen (Ianuarius, Februarius, Martius, Aprilis …), zwei kamen neu hinzu (Iulius, Augustus). Alle Monatsnamen leben im gregorianischen Kalender bis heute weiter.

Der Neue – Gregorianischer Kalender

Der gregorianische Kalender ist der weltweit meistgebrauchte Kalender. Er entstand Ende des 16. Jahrhunderts durch eine Reform des julianischen Kalenders. Benannt ist er nach Papst Gregor XIII., der ihn 1582 mit der päpstlichen Bulle Inter gravissimas verordnete.

Der gregorianische ist wie schon der julianische Kalender ein Sonnenkalender (Solarkalender) mit einer gegenüber dem julianischen Kalender verbesserten Schaltjahresregelung. Damit liegt ihm eine durchschnittliche Jahreslänge von 365,2425 Tagen zugrunde, die den etwa 365,2422 Tagen des Sonnenjahres (Tropisches Jahr) näherkommt als noch die 365,25 Tage des julianischen Kalenders.

Der gregorianische Kalender löste im Laufe der Zeit sowohl den julianischen als auch zahlreiche andere Kalender ab. Auf dem gregorianischen Kalender beruht auch die Datumsdarstellung nach ISO 8601.

Das Wesen der gregorianischen Kalenderreform bestand darin, ein weiteres Auseinanderdriften von Kalender- und Sonnenjahr zu verhindern und beide besser zu synchronisieren.

Übergang zum gregorianischen Kalender

Das julianische Jahr ist gegenüber dem Sonnenjahr um 11 Minuten und 14 Sekunden zu lang. Dies führte zu einer zunehmenden Abweichung vom Sonnenlauf, die im 14. Jahrhundert schon mehr als sieben Tage betrug. Weiterer Anlass für die Gregorianische Reform war der mit der alten Osterformel fehlerhaft ermittelte Frühlingsvollmond, von dem der Ostertermin abhängt.

Papst Gregor XIII. führte im Jahre 1582 den gregorianischen Kalender mit einer verbesserten Schaltregel ein. Diese besagt, dass volle Jahrhunderte (wie 1700, 1800, 1900 usw.) nur dann Schaltjahre sind, wenn sie durch 400 teilbar sind. Daher war beispielsweise das Jahr 2000 ein Schaltjahr, das Jahr 1900 dagegen nicht.

Für den Übergang bestimmte Gregor XIII. weiterhin, dass auf Donnerstag, den 4. Oktober 1582 (julianisch) direkt Freitag, der 15. Oktober 1582 (gregorianisch) zu folgen hatte, womit 10 Tage übersprungen wurden (unter Beibehaltung der Wochentagfolge).