in ,

Brüder Manaki hielten 1905 in Bitola die Älteste Frau auf Film fest!

Wir schreiben das Jahr 1905, die Szene spielt in Bitola, Mazedonien – damals noch von den Osmanen besetzt – und sehen eine alte Frau am Spinnrad. Die Frau ist die Großmutter der Brüder Manaki, und war sage und schreibe 114 Jahre alt als der Streifen gedreht wurde!

Somit kann man behaupten, was auch einige wirklich tun, dass die älteste Frau die jemals gefilmt wurde aus dem mazedonischen Bitola stammt. Ihre Neffen haben Despina Manaki ein dauerhaftes Denkmal gesetzt. An sich ist dies Story einfach nur schön, aber Gewichtig ist sie auch noch. Die Brüder Manaki werden allgemein auch als die ersten Filmemacher auf dem Balkan bezeichnet, und dieser Kurzfilm von Großmutter Despina startete ihre Filmkarriere. Davor war man als Fotografen tätig.

Schlägt man bei Wikipedia -Deutsch nach, werden die zwei Brüder auch als Film und Foto-Pioniere bezeichnet, die die ersten Filme auf der Balkanhalbinsel und im Osmanischen Reich drehten. Mazedonien lag bis dahin schon fast fünfhundert Jahre unter osmanischer Besatzung.

Abenteurer aus Deutschland, die mit ihren Autos fünf Kontinente durchquert haben. Milton Manaki lehnt rechts am Auto. Tumbe Kafe – Bitola (1920/1921)

1904 zogen die beiden Brüder von ihrem Geburtsort Avdella (in Ägäis Makedonien) nach Bitola, dem wirtschaftlichen, kulturellen und auch konsularischen Zentrum der Region. Kurz darauf eröffneten die beiden ein Fotoatelier.

Wie begann die Filmkarriere der Brüder Manaki?

Den Memoiren von Milton Manaki zufolge bereiste sein älterer Bruder 1905 verschiedene europäische Hauptstädte. In London erwarb er eine Bioscope 300-Filmkamera der Charles Urban Trading Company, mit der die Brüder ihre 114-jährige Großmutter Despina beim Weben filmten. Der Film wird auch international so genannt – die Weberinnen (The Weavers). In Mazedonien jedoch wird der Film nur “Baba Despina” genannt.

Diese 60-sekündige Aufnahme ihrer Großmutter gilt als einer der ersten Filme in Südosteuropa. Dieser entstand lediglich zehn Jahre nach dem ersten Film der berühmten Brüder Lumière, die großen Einfluss auf die Manaki-Brüder ausübten.

Viele weitere Filme drehten die zwei Brüder, hauptsächlich Dokumentarfilme. Diese wertvollen Kulturschätze zeigen das einfache Leben der Mazedonier in Ägäis Mazedonien, dem heutigen Norden Griechenlands. So haben die Brüder Filme bei Volkstänzen, religiösen Festen, Hochzeiten und Beerdigungen gedreht.

Neben ihrer Tätigkeit als Filmemacher und Fotografen eröffneten sie 1921 in Bitola ein Freilichtkino. Es wurde später zu einem luxuriösen Filmtheater umgebaut, allerdings brannte die Einrichtung 1939 ab.

Aus Ägäis Mazedonien nach Monastir ausgewandert

Die beiden Brüder aromunischer Herkunft waren “zugewanderte” in Bitola. Sie stammen eigentlich aus dem Dorf Avdella, in der heutigen Gemeinde Grevena, in Nordgriechenland an der Grenze zur Region Epirus. Janaki, der Ältere von beiden, wurde am 18. Mau 1878 geboren. Sein Bruder folgte vier Jahre später.

Parade anlässlich der jungtürkischen Revolution, Bitola (1908)

In den offiziellen Dokumenten für Schulbildung, Berufserfahrung, Diplome, Urkunden, Zertifikate sowie Reisedokumente wird der Name Joan während der türkischen Besatzung verwendet, Jovan während der serbischen und Ivan während der bulgarischen Besatzung sowie Verwaltung. Sie verwendeten den Namen Janaki in ihrer gemeinsamen Familienkommunikation, aber er unterzeichnete sich auch in vielen Briefen als Janaki.

Nach Abschluss seiner Ausbildung bekam Janaki 1898 eine Stelle am Gymnasium in Ioannina als Zeichen- und Kalligrafielehrer und eröffnete gleichzeitig ein Fotogeschäft. So begann ihre gemeinsame Arbeit im Fotoatelier, wo Milton das fotografische Handwerk von seinem älteren Bruder erlernte.

Ihr Wirken und Nachlass

In dem außerordentlich reichhaltigen und bedeutenden filmischen Oeuvre der Manaki-Brüder sind eine Vielzahl bedeutender Ereignisse und Persönlichkeiten vom Beginn des 20. Jahrhunderts, sowie wunderbare Aufzeichnungen von Volksbräuchen, religiösen Ritualen, Feiern sowie die sehr berühmten Aufzeichnungen der türkischen Repressalien gegen die mazedonische Bevölkerung nach dem Ilinden-Aufstand.

Neben der Arbeit im Fotostudio und dem Filmen mit der Filmkamera waren die Manaki Brüder eine Zeit lang auch am Kino beteiligt und zeigten Aktivitäten in ihrem Manaki-Kino, das von 1921 bis 1939 betrieben wurde.

Janaki und Milton Manaki mit den Handwerkern beim Bau des Fotostudios in Bitola (1904)

1906 präsentierten die Manaki-Brüder ihre Fotografien auf der großen Weltausstellung in Bukarest, wo Janaki Manaki eine Goldmedaille und ein Diplom für Fotografien und Gesichter aus Mazedonien sowie eine Silbermedaille mit einem Diplom für Fotografien walachischer Kirchen erhielt.

LESETIPP: Mazedonierin bekam 1940 von US Journalist 2 Dollar für ein Foto

Milton erhielt auch eine Goldmedaille und ein Diplom für eine weitere Sammlung von Fotografien. Dann blieben die Brüder auf Einladung von König Karl I. in der königlichen Sommerresidenz in Sinaia, wo sie zu offiziellen Fotografen der königlichen Familie ernannt wurden. Während dieses Aufenthalts fotografierten die Manaki-Brüder König Karl I. und Königin Elizabeth.

Mutter mit hungernden Kindern, Bitola (1915/16)

Das fotografische und filmische Gesamtwerk der Manaki-Brüder ist reichhaltig und viel zu bedeutend. Seine faktischen und ästhetischen Werte gewinnen im Laufe der Zeit eine andere Dimension, die historische, nicht nur für die mazedonische Kinematographie, sondern auch viel weiter. Aus ihrem Oeuvre sind 7.600 Glasplattennegative und etwa 11.000 Fotografien erhalten. Ihre Kamera wird im Archiv von Bitola aufbewahrt.

Das Nationale Archiv der Republik Mazedonien bewahrt mehr als 17.000 Fotos und über 2000 Meter Filmmaterial der Brüder Manaki auf.

Die Sammlung hat einen wichtigen dokumentarischen Wert für die historische und kulturelle Entwicklung Südosteuropas. Den beiden Brüdern zu Ehren wird jedes Jahr das Manaki Brothers Film Festival in Bitola veranstaltet.

Anlässlich des 50. Todestages von Milton Manaki wurde in Bitola eine Ausstellung eingerichtet, in der ein Teil des Werks der Brüder gezeigt wurde, darunter einige weniger bekannte Fotografien.

So auch bei einem Foto (oben) aus dem Jahr 1924, das vor der Roten Kaserne in Bitola aufgenommen wurde und den Bitola-Hochschullehrer Adolf Bartipan und den serbischen Offizier Chopi beim Schachspiel mit lebenden Menschen zeigt, die in Anzügen als Schachfiguren gekleidet sind, umgeben von einem großen Publikum. Ein weiteres Foto zeigt den Militärkrankenwagen in Bitola aus dem Jahr 1916, wo ein Soldat mit einer Schusswunde mit seiner Uhr posiert.